Esterel Caravaning Saga, Folge 4: Meine Mutter gab mir sechs Monate, um mich zu entscheiden. Sonst würde sie verkaufen.

Ich war 26, hatte ein Baby und einen Campingplatz zu retten.

Das Ultimatum

Im Oktober 1994 hatte ich gerade meinen Sohn Jean zur Welt gebracht und schloss ein Dissertationsjahr nach der Wirtschaftshochschule ab. Als junge Mutter erholte ich mich kaum vom Strudel der ersten Monate. Meine Mutter kündigte an, dass sie ihr Leben in den Vereinigten Staaten, in New York, neu beginnen wolle. Sie gab mir sechs Monate, um zu entscheiden, was ich tun wollte: Entweder ich übernehme den Campingplatz, oder sie verkaufe ihn.

Ich war 26. Mit einem Baby. Einem Mann, der noch studierte. Und einem Leben in Paris.
Ich sagte Ja.

Ankunft an der Front

Ich kannte den Campingplatz besser als irgendjemand sonst. Ab meinem 18. Lebensjahr hatte ich dort jede Saison gearbeitet. Ich hatte alle Seiten kennengelernt: die Rezeption, die Animation, die Wechselstube… Aber das Leiten war etwas ganz anderes! Und das umfassende Audit, das ich bei meiner Ankunft durchführte, holte mich schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: Vermarktung, Management… Der Betrieb war in die Jahre gekommen. Alles war zwanzig Jahre alt. Die Kundschaft war fast ausschließlich britisch und deutsch. Franzosen kamen so gut wie gar nicht. Am 14. Juli war der Campingplatz halb leer.

Es galt, das Ruder herumzureißen – und zwar schnell. Meine Mutter und ich verbrachten ein Jahr damit, den Platz gemeinsam zu führen. Ein turbulentes Jahr, das muss man so sagen: Ich sagte Weiß, sie sagte Schwarz. Ein Generationen- und Methodenkonflikt… 1996 ging sie. Der Campingplatz und ich waren auf uns allein gestellt. Ich hatte keine Wahl – es galt, den Aufwärtstrend wiederzufinden. Mein Mann studierte noch. Um die Kassen aufzufüllen und Renovierungsarbeiten in Angriff nehmen zu können, gab es nur eine Lösung: den Campingplatz füllen. Der Rest würde folgen.

Esterel Caravaning im Jahr 1997

Goodies und Pasta-Abende

Erste Priorität: neue Kundschaft gewinnen. Mit kaum Geld. Im Winter fuhr ich nach Paris zurück – ins Herz Europas, sagte ich mir – und beschloss, an jeder Camping-Messe des Kontinents teilzunehmen. Brüssel, Birmingham, Stuttgart, Essen, Kopenhagen, Leipzig… Selten mit einem Stand, aus Budgetmangel. Also stellten wir uns an den Eingang. Mein Mann verteilte Flyer auf den Windschutzscheiben der Autos rund um das Messezentrum. Und für die seltenen Messen, bei denen wir präsent waren, hatte ich meine ersten Goodies erfunden. Die Besucher füllten ein Formular aus, gewannen einen Preis bei der Verlosung, und wir fuhren mit ihren Kontaktdaten nach Hause.

Die Stempel auf den Flyern? Die brachten Freunde bei Pasta-Abenden bei uns an: Halle 7, Stand 83. Wir arbeiteten mit dem, was wir hatten. Und es hat funktioniert. In jenem Jahr hatten wir deutlich mehr Kunden als in den Vorjahren. Ich hatte auch Werbung in Zeitungen und Reiseführern geschaltet. Das war der allererste Anfang der Kommunikationsarbeit bei Esterel Caravaning. Der erste Schritt einer langen Reihe.

Unter uns: Ein Skorpion, eine Ohrfeige und eine Hochzeit

Esterel Caravaning – Erinnerungen aus den 1990er-Jahren

Die Familie Mimoun kam seit 1977 zu Esterel Caravaning. Jeden Sommer blieb sie zwei Monate auf einem der Rosaces-Stellplätze. Eines Tages wurde Monsieur Mimoun von einem Skorpion gestochen. Mein Vater brachte ihn in die Notaufnahme, und aus dieser Geste entstand die Freundschaft zwischen unseren beiden Familien.

Ich war damals neun Jahre alt, und auf dem Spielplatz war „der Hühnerkäfig“ MEIN Königreich. Emmanuel Mimoun, stolze sechs Jahre alt, versuchte einen Staatsstreich. Ich brachte ihn mit einer Ohrfeige auf Linie. Er lief zu seiner Schwester. Sie hieß Yaël und wurde meine beste Freundin.

Die Zeit verging. Das Kind, das ich geohrfeigt hatte, wurde der Mann, den ich heiratete, und der Vater meines ältesten Sohnes.

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